Muldenau

Die Geschichte

 

Muldenau hieß bis zum Jahre 1919 „Pissenheim“ und wurde erst aufgrund eines Ministerialerlasses in den heutigen Namen umbenannt. Aus dem Ersten Weltkrieg heimkehrende Soldaten hatten sich darum bemüht. Sie - wie viele andere vor ihnen – hatten sich stets geschämt, wenn sie den Namen ihres Heimatortes nennen mussten. Der neue Name war nun unverfänglich.

 

Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ist dem Grundwort „-heim“ zur näheren Bestimmung ein Personenname hinzugefügt worden. Altdeutsche männliche Kurznamen wie „Bisi“, „Biso“, „Bisso“, „Pisso“ oder „Pissin“ dürften hier Pate gestanden haben, und so ergibt sich wohl „Heim des Pisso“ als Grundlage für die alte Ortsbezeichnung des heutigen Stadtteils Muldenau.

 

Der Ort kann auf eine lange Besiedlung zurückblicken, was aus römischer Zeit stammende umfangreiche Baureste, römische Ziegel und vieles mehr zeigen. Schon kurz nach der fränkischen Landnahme war die Umgebung von Muldenau u.a. Schauplatz eines Aufmarsches des fränkischen Heerbanns unter König Chlodwig. Zahlreiche fränkische Plattengräber, die 1908 gefunden wurden, weisen ebenfalls in diese Zeit.

 

1270 werden ein Henricus de Pissenheim und ein Winemarus de Pissenheim genannt. In der Tranchot-Karte hieß es 1806/07 dann Pissenheim. Weitere Namen waren u.a. Phissem und Pißheim.

Höfe Baum (l.) und Reuter/Jacobs (Aufnahme: fjb). Hier befand sich wohl au
Höfe Baum (l.) und Reuter/Jacobs (Aufnahme: fjb). Hier befand sich wohl auch die erste fränkische Siedlung. An Stelle der 1845 von den beiden Familien erworbene Burg war ursprünglich von Wassergräben umgeben.

Einst gehörte Pissenheim Jülicher Unteramt Nideggen und 1347 ist Pyssenheim/Psyingen ein Dorf in der Herrschaft Thum. Später sind die Herren von Vlatten hier besitzend; das Recht, die Pfarrstelle „St. Barbara“ zu besetzen, hatten allerdings die Herren von Dreiborn.

 

Die St. Barbara-Kirche mit ihrem Turm aus dem 15./16. Jahrhundert wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, und zwar wurde sie bei den feindlichen Angriffen zweimal am Turm getroffen. Dabei gingen sämtliche Fenster zu Bruch. Die Gläubigen ersetzen sie zunächst durch klares Glas, aber bereits 1950 erhielt das Gotteshaus neue bunte Fenster, deren Anschaffung mit Naturalien und Spenden bezahlt wird. Gegen Kriegsende hatte das Pfarrhaus sieben Treffer erhalten.

 

Der verputzte Bruchsteinbau ist dreigeschossig und hat an seiner Ostseite ein Sockelprofil. An dieser Seite sitzt seit etwa 1900 in der ehemaligen Öffnung zum alten Schiff ein modernes Portal. Das Innere der Kirche ist barock überarbeitet. Das Langhaus wurde im 19. Jahrhundert wieder aufgebaut.

 

Sehenswert ist auch das barocke Heiligenhäuschen in der Brückenstraße. Es wurde 1672 von Konrad Leers und Katharina Ossen errichtet und hatte früher seinen Standort in der Ulmenstraße.

Das barocke Heiligenhäuschen in der Brückenstraße (Aufnahme: fjb)
Das barocke Heiligenhäuschen in der Brückenstraße (Aufnahme: fjb)

Die Anfänge des schulischen Unterrichts datieren wohl aus 1674. Um 1872 wurde neben dem Pfarrhaus ein Schulgebäude mit Dienstwohnung errichtet. Da es den hygienischen Anforderungen nicht mehr entsprach, wurde 1939 mit dem Bau einer neuen Schule in der Ulmenstraße begonnen.

 

Zwar wurde die Schule im Zweiten Weltkrieg nur wenig zerstört, aber wegen einer fehlenden Lehrkraft mussten die Kinder zunächst in Embken zur Schule gehen.

 

Wie in Embken hatte auch in Muldenau der Weinbau für die kleine Ortschaft eine besondere Bedeutung. In Muldenau gab es Weinberge im Meddeldale (1332) und am „Sandt“ (laut der Tranchot-Karte zwischen Embken und Muldenau an der Hangseite) hinter dem „lutterwingarten“ (1668). Nach einer 1681 vorgenommenen Vermessung besaß Pissenheim 5 Morgen Weingärten, von denen verschiedene für die halben Trauben, einige für den dritten Teil verpachtet waren. Wenn man die Fläche mit der oben erwähnten vergleicht, ergibt sich ein Anwachsen von etwa 28,72 Ar, was mit einem Prozentsatz von 29% gleich zu setzen ist und Rückschlüsse auf die gestiegene Nachfrage nach Pissenheimer Weinen zu lässt. In späteren Jahren treten erneute Steigerungen ein.

 

Eine genaue Lage der einzelnen Weinberge wird in einer der Kellnereirechnung des Amts (der Kellner war der Verwalter der Finanzen und Güter) für den Ort genau angegeben: an der Kirchengasse, auf dem Valder an der kleinen Gasse, am Sonnenberg, am Weberpütz (Pütz = Brunnen) und in der Hostart. Neunzehn Pächter wies der Ort auf.

Das Pfarrhaus (Aufnahme: fjb)
Das Pfarrhaus (Aufnahme: fjb)

Allgemeines, Zahlen und Größe

 

Muldenau ist der kleinste Stadtteil im Gebiet der Stadt Nideggen mit seinen knapp 200 Einwohnern und gehört zum Kreis Düren.

 

Die Gemarkung ist ca. 1,99 km² groß.

 

Die ehemalige Schule wurde im Jahr 1997 zu einem Bürgerhaus und Treffpunkt der Bevölkerung erweitert.

 

Gerade für die jährliche Kirmes, Erntedankfest, Seniorenkarneval, Adventsfeier und viele kleinere Festivitäten, wird die Bürgerbegegnungsstätte gerne genutzt.

 

Der angrenzende Spielplatz mit Fußballplatz, Volleyballfeld und seinen vielen Spielgeräten, wie z. B. Vogelnestschaukel, Seilbahn, Kraken-Karussell ist eine Attraktion, die von den Kindern, wie auch den umliegenden Kindergärten und Grundschulen sehr begehrt ist.

 

An Vereinen und Vereinigungen gibt die Kirmesgesellschaft Muldenau, die Blumenfreunde Muldenau sowie der Ortsausschuss des Pfarrgemeinderats.

 

Alles was „ grünt und blüht“, wird in Muldenau entweder von Patenschaften oder durch die Dorfbewohner von Muldenau gepflegt, insbesondere den engagierten Blumenfreunden. Die Anlieger tragen durch ihren Blumenschmuck ebenfalls zur Verschönerung und Gemütlichkeit des Ortes bei. Mehrere Bildstöcke, das Ehrenmal und der Barbarabrunnen ergänzen das Gesamtbild des Dorfes.

 

Der „Muldenauer Bach“ durchfließt den Ort auf ca. 300 m.

 

In der unmittelbaren Umgebung von Muldenau befinden sich Naturschutzgebiete der „Großberg“ und der „Biesberg“. Auf den Muschelkalkkuppen dieser Erhebungen gedeihen seltene, geschützte, sonst hier nicht vorkommende Pflanzen, vor allem Orchideen.

 

Der Biesberg zwischen Thuir, Thum und Muldenau ist mit tausenden Exemplaren unterschiedlicher Arten einer der bedeutendsten Orchideenstandorte in der Nordeifel.

 

Muldenau

Ortsvorsteherin

Frau
Agathe Faller
Ulmenstr. 24
52385 Nideggen

Tel.: 02425/1304