Wollersheim

Die Geschichte

 

„Wolresheim“ so lautet die erste Erwähnung aus dem Jahre 1184. Damals besaß das Kölner Stift „St. Maria im Kapitol“ hier einen so genannten „Frauenhof“ (auch: Fronhof; so genannt, weil er sich im Besitz von Klosterfrauen befand). Der Überlieferung nach (die sich jedoch nicht belegen lässt) gehörte Wollersheim zur Grundausstattung des Klosters und sei um 717 von Plektrudis, der Ehefrau Pippins, gestiftet worden. 1231 heißt es „Wolrisheim“, im 15. Jahrhundert dann „Wollershem“ und seit 1806/07 dann Wollersheim.

Der Stiftshof und die alte Kirche (Aufnahme: fjb)
Der Stiftshof und die alte Kirche (Aufnahme: fjb)

Auf dem nahe des Ortsrands liegenden „Pützberg“ fand man gegen Ende der 1930er Jahre ein Gräberfeld aus der fränkischen Zeit (5.-9. Jahrhundert). Das Grundwort „-heim“ lässt darauf schließen, dass der Ort durch fränkische Landnahme entstanden ist. Und so kann man vermuten, dass sich damals auch schon die heutige Ortslage existierte.

 

Alte Ansichtskarte (Sammlung: fjb)
Alte Ansichtskarte (Sammlung: fjb)

Wollersheim hat neben seinen zwei imposanten Kirchen noch eine Reihe alter und als Denkmal geschützter Gebäude. Die große Backsteinkirche wurde am 9. Juni 1904 durch den Kölner Weihbischof Dr. Josef Müller eingesegnet. Da der Glockenstuhl aus Stahl die Schwingungen der Glocken zu stark auf den Turm und das Schiff übertrug, musste er 1959 durch einen hölzernen ersetzt werden. Damit weiter zu den Gottesdiensten geläutet werden konnte, ließ man eine der Glocken herunter und stellte sie neben dem Gotteshaus auf.

Das Herrenhaus der Burg Gödersheim um 1890 (Repro: fjb)
Das Herrenhaus der Burg Gödersheim um 1890 (Repro: fjb)

Die alte Kirche dagegen zeugt von der langen Geschichte des Dorfes. Der Heilige Willibrord († 739) soll der Legende nach sein Beichtkind Plektrudis veranlasst haben, in Wollersheim eine Kirche zu bauen, die eine so genannte „Mutterkirche“ (Hauptkirche eines bestimmten Gebiets) war, und zwar bis 1648 von Embken und ab 1806 bis 1933 von Muldenau.

Ansicht des früheren Chorgestühls (Repro: fjb)

Mit ihrem Turm aus dem 12. Jahrhundert gilt sie als eins der ältesten Sakralbauwerke im Dürener Land. Im Inneren des Turms befindet sich eine romanische Kapellenanlage. Schon vor 1241 hat das Stift „St. Maria im Kapitol“ die Kirche in seinen Besitz genommen; sie gehörte zu einer Hofanlage, die 1184 erstmals erwähnt wird. Der Hof, der dem Stift von Plektrudis geschenkt worden sein soll, war bis zur Verstaatlichung durch die französische Besetzung (1794-1814) im Besitz des Stifts.

 

1958 sollte diese Kirche abgebrochen und ins „Rheinische Freilichtmuseum Kommern“ überführt werden, ein Unterfangen, gegen das sich die Dorfbevölkerung erfolgreich wehrte. Sie dient seit 1977 als Leichenhalle, nachdem sie ab 1972 saniert worden war. 1978 wurden neue Fenster eingebaut. Entworfen wurden sie vom Dürener Herbert „Herb“ Schiffer; die Herstellung lag in den Händen der Fa. Oidtmann aus Linnich.

Der gut 200 Jahre alte Dorfbrunnen wurde 1979 umfassend renoviert (Aufnahm
Der gut 200 Jahre alte Dorfbrunnen wurde 1979 umfassend renoviert (Aufnahme: fjb)

Zur Vor- und Frühgeschichte und zu den archäologischen Funden und Grabungen gibt es viele Veröffentlichungen. Zahlreiche jungsteinzeitliche Siedlungsreste, Beile, Pfeilspitzen und eine Fülle von Bodenfunden aus der Römerzeit unterstreichen, wie lange das Land um Wollersheim schon besiedelt ist. 1388 wurde Wollersheim überregional durch den „Wollersheimer Frieden“ bekannt.

 

1791 gründete Jacobus Cramer seine Brauerei, die seitdem im Familienbesitz ist. Die Braugerste aus Wollersheim ist wegen ihrer besonderen Qualität bundesweit bekannt.

 

Ab Ende November 1944 wurde Wollersheim von Artillerie beschossen. Zunächst trafen nur wenige Granaten. Der Großteil der Bevölkerung verließ den Ort; die Verbliebenen harrten vorwiegend in Kellern aus. Ende Februar 1945 sprengten Werwölfe die Bachbrücke in der Ortsmitte. Am 2. März 1945 eroberten amerikanische Soldaten den Ort und besetzten ihn.

 

Wollersheim war bis zur Kommunalreform 1937 Sitz eines gleichnamigen Amtsbezirks; 1972 wurde der Ort in die Stadt Nideggen eingemeindet.

 

1865 wurden die Landstraßen nach Nideggen und nach Zülpich gebaut. 1866 kommt es zu Planung und Bau der Straße über Embken nach Düren. Am Lieberg ist das Projekt mit enormen Schwierigkeiten verbunden; hier muss der so genannte „Durchbruch“ aus dem Felsen gesprengt und eine Serpentine angelegt werden. Bei den Bauarbeiten werden vier Gräber mit Überresten von fränkischen Kriegern, Waffen und Tongefäßen freigelegt, woraus sich schließen lässt, dass die Franken auf dem Lieberg eine Begräbnisstätte hatten. („Lieberg“ ist wohl als „Lichberg“ (Leichenberg) zu deuten, weil die Toten aus Embken über ihn zum Wollersheimer Friedhof geleitet werden mussten.)

 

Nachdem der Durchgangsverkehr über eine 1993 eingeweihte neue Straße um den Ort geleitet wird, die Hauptstraße im Ostkern total erneuert und ein Dorfplatz angelegt wurden, präsentiert sich der Ort als einer der schönsten Orte der Voreifel.

 

Am 27. November 1959 erteilte der nordrhein-westfälische Innenminister der Gemeinde das Recht auf ein eigenes Wappen und Siegel. Bis zum Beginn der 20-jährigen französischen Herrschaft über das Rheinland anno 1794 hatten Wollersheim und Embken einen Gerichtsbezirk gebildet, dessen Siegel als Vorlage für das Wappen diente.

 

1984 feierte Wollersheim sein 800-jähriges Bestehen.


 

Wollersheim

Ortsvorsteher

Herr
Hubert Müller
Gödersheimer Weg 3
52385 Nideggen

Tel.: 02425/7361